Schläfrigkeit und Schlafträgheit

Schläfrigkeit und Unfälle
Je länger man wach ist, desto schläfriger fühlt man sich. Am schläfrigsten fühlt man sich in den frühen Morgenstunden. Da ist unsere innere Uhr auf Schlafen eingestellt, also kumuliert sich die Schläfrigkeit vom langen Wachen und diejenige vom Wellenberg der tageszeitlichen Schläfrigkeit. Hat man diese Zeit überstanden, fühlt man sich trotz längerer Wachzeit plötzlich besser, weil die tageszeitliche Schläfrigkeit wieder abnimmt. So ist nicht erstaunlich, dass in den frühen Morgenstunden die meisten Unfälle passieren. Das Risiko eines Autounfalls ist morgens um 6 Uhr 20 mal grösser als um 10 Uhr, wenn man das Verkehrsaufkommen berücksichtigt. Die grossen Katastrophen wie Tschernobyl, Three Miles Islands, Bhopal und der Lastwagenunfall, der die Brandkatastrophe im Gotthard verursachte, passierten alle morgens. Häufig kommt noch Alkohol mit ins Spiel.

 

Leistungsdefizite
Wie unter Alkoholeinfluss ist die Leistungsfähigkeit bei Schläfrigkeit stark vermindert. Man ist langsamer, macht mehr Fehler, ist unaufmerksam, unmotiviert und ungenau. Je komplexer eine Aufgabe, umso stärker macht sich der Einfluss der Schläfrigkeit bemerkbar. Die Kreativität und das divergente Denken gehen verloren, man perseveriert in den alten Muster, ohne es selbst zu merken. Die Wahrnehmung der eigenen Leistungsdefizite fehlt wie unter Alkoholeinfluss.

 

Therapie
Helles Licht mildert die Schläfrigkeit während einer gewissen Zeit, auch Koffein ist hilfreich. Die beste Therapie gegen Schläfrigkeit ist aber Schlaf. Koffein kommt in Kaffee, Schwarz- und Grüntee, Kakao, Energy drinks und gewissen Medikamente vor. Wenn Sie koffeinabhängig sind, so fühlen Sie sich auch schläfrig, wenn Sie kein Koffein mehr im Körper haben: Sie leiden unter Entzugserscheinungen.

 

Schlafträgheit
Morgens nach einer guten Nacht mit genügend Schlaf fühlen Sie sich zuerst schläfrig. Das mag überraschen, würde man doch erwarten, dass man sich danach frisch und munter fühle. Wie man am Abend nicht von hellwach und aktiv gleich in den Schlaf fällt, so benötigt man auch morgens eine gewisse Zeit, um wach zu werden. Und entgegen dem, was die Werbung behauptet, braucht es dazu keinen Kaffee. Es konnte in Experimenten mit Bildgebenden Verfahren gezeigt werden, dass die verschiedenen Hirnareale unterschiedlich lange benötigen, um zur Durchblutungsrate, die für das Wachsein typisch ist, zurückzukehren.

 

Mittagsschlaf
In einem Experiment wurde untersucht, ob nach einem Nachmittagsschlaf, der nach drei Nächte mit 8 Stunden Schlaf gemacht wurde, Schlafträgheit nachgewiesen werden könne. Auch in diesem Fall, also in völlig ausgeruhtem Zustand, macht sie sich bemerkbar. Wenn man zu wenig geschlafen hat, ist die Schlafträgheit entsprechend stärker und dauert viel länger. Es genügt im Übrigen schon, längere Zeit zu liegen ohne zu schlafen, um sich schläfriger zu fühlen. Wenn Sie also einen Mittagsschlaf machen und gleich danach frisch sein wollen, so sollten Sie nicht länger als 20 Minuten schlafen.

 

Temperaturverteilung
Die Schlafträgheit hängt mit der Temperaturverteilung im Körper zusammen. Wenn man wach ist, gibt es ein Temperaturgradient zwischen dem Körperkern und den Extremitäten, der umso grösser ist, je kälter die Umgebungstemperatur ist. Sobald man liegt und man nicht kalt hat, verteilt sich die Temperatur gleichmässig. Erst dann kann man einschlafen.