Der Kinderschlaf

Schlaf ist einer der wichtigsten Faktoren für die Gesundheit und die volle Entwicklung Ihres Kindes nebst einer guten Ernährung und genügend Bewegung an der frischen Luft. Gute Schlafgewohnheiten oder Schlafhygiene dienen dazu, den Schlaf zu fördern, indem die innere Uhr und der Schlaf-Wach-Rhythmus optimal auf einander abgestimmt werden. Mit chaotischen Schlaf- und Essenszeiten wird die innere Uhr durcheinander gebracht und womöglich so verschoben, dass das Bedürfnis zu schlafen an einem ungünstigen Tageszeitpunkt auftritt und abends ungenügend ist, um leicht einzuschlafen und durchzuschlafen (Siehe auch das 2-Process Model in Was ist Schlaf? ).

Für einen guten Schlaf ist wichtig, dass das Kind sich auf den Schlaf einstimmen kann. Das kann über gemütliche Bettrituale stattfinden, so dass diese Abläufe das Kind in abgenehmer Stimmung auf den Schlaf vorbereiten. Ein ruhiges, gelüftetes und abgedunkeltes Schlafzimmer ist für den Schlaf förderlich.

Ein Kind hat Anrecht auf genügend Schlaf und darf im Schlaf nicht gestört werden. Wie viel genügend ist, hängt vom Alter aber noch stärker vom individuellen Bedürfnis des Kindes ab. Dabei darf man sich nicht in die Irre leiten lassen, wenn Kinder überaktiv sind. Vielfach ist das ein Zeichen von ungenügendem Schlaf und in diesem Fall können sie besondere Mühe haben, einzuschlafen. Wenn Kinder zu wenig schlafen, sind sie deswegen nicht schläfrig wie Erwachsene. Wenn Kinder sich die Ohren reiben, quengelig, aggressiv, übelgelaunt, weinerlich sind oder sich für nichts interessieren, könnte es sein, dass sie Schlaf benötigen.

Es gibt Kinder, die weniger Schlaf als ein durchschnittliches Kind benötigen. Lang- oder eben Kurzschläfer ist man von Geburt weg. Falls die Eltern auf einer für sie zu lange Schlafzeit beharren, kann dies zu Schlafstörungen führen.

Geburt bis 12 Jahren

Die innere Uhr eines Säuglings sowie die Schlafhomöostase funktionieren noch nicht wie bei einem Erwachsenen. Es ist ganz normal, dass Säuglinge nachts aufwachen. Zudem können sie tagsüber noch nicht genügend Nahrung zu sich nehmen und müssen deshalb auch nachts ernährt werden. Ein Säugling darf man nicht schreien lassen. Das ist grausam und für eine gesunde Entwicklung wenig förderlich.

Für Kinder von der Geburt bis zu 12 Jahren empfiehlt die World Association of Sleep Medicine die folgenden 10 Gebote für einen gesunden Schlaf

1. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind genügend lange schlafen kann, indem Sie eine altersgerechte Bettgehzeit (vorzugsweise vor 21 Uhr) und Aufwachzeit festsetzen*.
2. Behalten Sie während der Woche wie am Wochenende gleichbleibende Bettgehzeiten und Aufwachzeiten.
3. Führen Sie ein gleichbleibendes Bettzeit-Ritual ein und geben Sie dem Kind bequeme Bettkleider; sorgen Sie für gut absorbierende Windeln für die Kleinen.
4. Ermutigen Sie Ihr Kind dazu, selbständig einzuschlafen.
5. Vermeiden Sie helles Licht zur Bettgehzeit und während der Nacht und erhöhen Sie morgens die Zeit draussen im hellen Licht.
6. Elektronische Geräte, wie Fernseher, Computer, Mobiltelephone und andere bleiben ausserhalb des Schlafzimmers. Begrenzen Sie deren Gebrauch vor der Bettgehzeit.
7. Halten Sie einen regelmässigen Tageszeitplan inklusive Essenszeiten.
8. Halten Sie einen altersgerechten Tagesschlafplan.
9. Sorgen Sie dafür, dass das Kind während dem Tag möglichst viel Zeit mit Bewegung im Freien verbringt.
10. Schliessen Sie koffeinhaltige Nahrungsmittel und Getränke aus, wie z. B. Colagetränke, Energydrinks, Kaffee und Tee (Schwaztee, Grüntee, Eistee).

* Als Anhaltspunkt finden Sie in der folgenden Tabelle die durchschnittlichen (mit Standardabweichung) Bettzeiten und Aufwachzeiten der Kohorte 1986-1993 aus der Zürcher Longitudinalstudie (Iglowstein, I et al., 2003)

 

 

6 Monate

1 Jahr

3 Jahre

5 Jahre

10 Jahre

14 Jahre

Bettzeit

20:16 (1:08)

19:46 (0:50)

20:07 (0:42)

20:11 (0:38)

20:59 (0:40)

22:02 (0:37)

Aufwachzeit

7:13 (0:13)

7:19 (0:52)

7:35 (0:50)

7:20 (0:39)

6:56 (0:29)

6:30 (0:20)

Bis 5 Jahren kommen noch ein bis zwei Tages-Schlafepisoden dazu.